Herzensbilder - ein Blick hinter die Kulissen

Seit der Geburt meines Sohnes Anfang 2015 bin ich auch aktiver "Fotoengel" bei Herzensbilder. Gerne möchte ich dir hier einen Blick hinter die Kulissen schenken, ich möchte dich mit auf eine Einsatzreise mitnehmen und dir von meinen Gedanken, Ängsten, aber auch vom Gefühl tiefster Dankbarkeit erzählen. Schön, kommst du mit auf diese Reise!

 

 

 

Die Geschichte von Herzensbilder

Kerstin, das Herz hinter Herzensbilder hat den Verein gegründet, weil sie ihren Sohn Till verloren hat. Er verstarb mit 10 Jahren an Krebs, 4 lange Jahre kämpften sie als Familie dagegen an. Eine Zeit des Funktionieren müssens, viel Angst und Trauer aushalten, schwere Chemotherapien und Bestrahlungen begleiten. Da blieb schlichtweg keine Zeit, an Familienbilder zu denken. Später realisierte Kerstin, dass sie fast kein Bild als ganze Familie hatten. Und diese Erkenntnis war der Startschuss 2013 für Herzensbilder. Wenn du die ganze, berührende Geschichte erfahren möchtest von Kerstin, Till und ihrer Familie, dann kannst du sie hier lesen:

 

https://magazin.tadah.ch/kerstinbirkeland/

 

Herzensbilder schickt Profifotografen, die sogenannten Fotoengel, sowie Haar- und Makeup-Engel zu Familien mit schwerkranken Kindern, schwer behinderten, viel zu früh geborenen oder stillgeborenen Kindern oder schwer kranken Elternteilen mit Kindern unter 18 Jahren, um ihnen wunderschöne Familienbilder zu schenken. Hier erfährst du alles über Herzensbilder:

 

https://www.herzensbilder.ch

 

 

 

Warum ich mit dabei bin

Dazu findest du unter ABOUT meine Beweggründe. 

 

 

So kommt ein Herzensbildereinsatz zustande

Wenn ein Kind im Spital ist, dann sind es meist die Hebammen, Pflegefachfrauen oder die Ärzte, die den Eltern von Herzensbilder erzählen. Sehr oft werden wir aber auch schon kontaktiert, auch wenn die Eltern noch nichts über Herzensbilder wissen. Denn sehr oft sind es sehr kurzfristig angesetzte Anfragen, zB nach eine schweren oder stillen Geburt, wo einfach nicht viel Zeit bleibt. Bei chronischen Erkrankungen oder schweren Behinderungen sind es oft Geschwister der Sturmfamilie oder eine liebe Freundin/ein lieber Freund, der/die uns kontaktiert. Unsere Einsatzfrauen decken im Pikettdienst die Erreichbarkeit ab und informieren uns Foto- Haar- und Makeupengel dann zeitnah über die Anfrage. Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell sich ein Herzensbilderengel finden lässt. Die meisten von uns haben selber Familie und es ist immer wieder berührend, wie schnell jemand sich ein Zeitfenster freischaufeln kann, auch dank der eigenen Familie, die diese ehrenamtliche Tätigkeit so mitträgt und schätzt.

 

Letzte Woche am Donnerstag Abend kam der Aufruf, dass ein neugeborenes Mädchen im Kinderspital Zürich sei. Ob jemand ein Zeitfenster für den Freitag Nachmittag habe? Bei einem Einsatz höre immer ganz fest auf mein Gefühl. Mir spielt dabei keine Rolle, an welchem Ort die Familie ist, sondern einzig, ob ich gerade genug Energie habe, mich zu 100% in diesen Ausnahmezustand einzulassen. Denn jede Begegnung im Sturm hinterlässt Spuren, die bei mir über Wochen nachschwingen. Ich kann mich schlecht abgrenzen, ich nehme die Gefühle, die Trauer und die Angst der Eltern stark wahr und auch mit in meinen Alltag. Es ist eine starke Verbundenheit und nicht selten bleibt der Kontakt zur Familie auch nach Herzensbilder bestehen. Ein wundervolles Geschenk!

 

 

 

Der Herzensbildereinsatz

Von unseren Einsatzfrauen erhalte ich telefonisch die Detailinformationen, wie die Namen der Herzensbilderfamilie, die Gründe für den Einsatz, wo dass das Fotoshooting stattfinden wird und wenn es in einem Spital ist, wer vor Ort mich unterstützen wird. 

 

Nun fahre ich also ins Kinderspital nach Zürich. Je näher ich dem Spital komme, umso nervöser werde ich. Auch ein Grummeln im Bauch macht sich bemerkbar. Der Moment, wo ich an der Zentrale auf die zuständige Pflegefachperson warte, da bin ich immer besonders nervös. Nun erhalte ich noch weitere Informationen zum 3 Tage alten Mädchen, wie es gerade therapiert wird. Diese Informationen helfen mir sehr, mich mental auf den 1. Anblick vorzubereiten. Ja und dann lerne ich die Eltern kennen. Das ist immer ein sehr bewegender Moment, denn wenn sie mir ihr Kind vorstellen, sehe ich neben den Tränen und der Trauer auch ganz viel Stolz und Liebe. Stolz und Liebe, den man nur als Eltern für sein eigenes Kind hat. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, mit dem kleinen Mädchen zu sprechen, mich vorzustellen, zu sagen, was ich hier mache. Aber auch, dass die Eltern wie das kleine Mädchen mir jederzeit sagen oder zeigen dürfen, wenn es zu viel wird, sie eine Pause brauchen oder aufhören möchten. Ich bin zwar zu 100% im aussen, bei der Familie, aber dennoch bin ich dankbar, wenn die Eltern wissen, dass sie auch STOP sagen dürfen. Besonders schön finde ich, dass die zuständige Pflegefachperson immer an meiner Seite ist. Mich fragt, wie es mir geht, ob ich Hilfe braucht usw. Sie sind für mich wie ein Fels in der Brandung, einfach wundervolle Menschen mit so viel Gespür!

 

Ein Fotoshooting, insbesondere auf einer Intensivstation, ist nicht vergleichbar mit einem Fotoshooting im Studio oder draussen. Es gibt hygienische Vorgaben die ich einhalten muss, das Licht ist meist schlechter und die Räumlichkeiten mitunter eng. Zudem ist das Mädchen an vielen Schläuchen und Kabeln angeschlossen, überall pipst und blinkt es. Typisch Intensivstation eben. Im Kinderspital haben wir eine Herzensbilderbox, wo die Eltern u.a Kleidungsstücke und Tücher aussuchen dürfen, die wir für das Fotoshooting benutzen können. So verdecke ich, soweit möglich, die Kabel und Schläuche. Zuerst taste ich mich sanft an die Situation heran. Ich fotografiere die kleinen Hände und Füsse, das wunderschöne Gesicht der kleinen Prinzessin. Und dann ist der grosse Moment, die Kleine darf das erste Mal zu Mama und Papa. Du kannst dir bestimmt vorstellen, kein einfaches Unterfangen mit all den Apparaten! Die innige Umarmung, die 3 vereint beieinander, endlich zusammen, das ist sehr bewegend für mich. Deshalb kullern auch bei mir während dem Fotoshooting immer mal wieder die Tränen. Dafür schäme ich mich nicht, im Gegenteil. Schlussendlich bin ich einfach nur Mensch und Mutter und kann so fest nachfühlen, wie es der Familie geht. Besonders glücklich macht mich, dass dem Papa die Kraft reicht, sein Töchterchen auch zu halten. Dass er sie voller Stolz anschaut und ich diesen Moment bildlich verewigen darf. Dass auf den Bildern eben nicht nur der Schmerz und die Angst zu sehen sind, sondern auch die grosse Liebe. 

 

 

Nach dem Herzensbildereinsatz

Ich bin auf dem Nachhauseweg. Musik während dem Autofahren ertrage ich nicht. Ich durchlebe nochmals den Herzensbildereinsatz, spüre nach, ich muss dabei auch immer wieder weinen.  Ich komme zu Hause an und bleibe noch einen Moment im Auto sitzen, atme tief durch, damit ich wieder im HIER und JETZT ankomme. Denn ich weiss, wenn ich die Türe aufmache, dann rennt mir mein Sohn entgegen, ruft "Hoi Mami, schön bisch wieder da" und nimmt mich in Beschlag. Er erdet mich in diesem Moment sehr und hinterlässt ein Gefühl tiefster Dankbarkeit. Als erstes sichere ich die Bilder auf meinem PC, erst danach kann ich mich auf anderes konzentrieren. Zu wichtig sind die Bilder! Die Bildnachbearbeitung beginne ich in einem ruhigen Moment, am liebsten bei mir im Geschäft, wo ich ungestört arbeiten kann. Mittlerweile habe ich vom Spital auch die Koordinaten der Familie erhalten und schreibe den Eltern eine kurze SMS, dass ich gerade an sie denke. So fest berührt es mich, dass sie antworten. Dass sie so dankbar für ihre Herzensbilder sind, aber auch, dass sie ihr Mädchen gehen lassen müssen. Diese Nachricht trifft mich sehr. Ein paar Tage später schreibe ich ihnen, ob es ihnen gut tun würde, ein paar Bilder zu sehen oder ob es zu fest schmerzen würde. Sie schreiben mir, dass ihnen Bilder gut tun würden und deshalb sende ich Ihnen eine kleine Auswahl ihrer Herzensbilder umgehend per Mail. Jeder Mensch trauert anders. Der eine kann weinen, der andere nicht. Der eine muss darüber reden, der andere sucht die Stille. Es gibt Familien, denen fehlt die Kraft, ihre Herzensbilder anzuschauen, es gibt aber auch diejenigen Familien, die die Bilder zum Festhalten brauchen. Ich werte es nicht, wie auch immer eine Familie reagiert, welchen Weg der Trauer sie gehen. Jeder Weg ist individuell und deshalb auch richtig.

 

 

Was es mit mir macht

Wie du aus meinen Zeilen bestimmt lesen kannst, sind solche Begegnungen immer sehr tiefgreifend für mich. Es schüttelt mich durch, macht mich sehr oft sprachlos. wie unfair doch das Leben sein kann. Und vor allem auch, wie zerbrechlich es ist. Von einer Sekunde auf die andere kann alles anders sein. Ich bin ein tiefgründiger Mensch, der den Sinn des Lebens mit allen Facetten ergründen will, deshalb hinterlässt ein Herzensbildereinsatz auch immer Spuren bei mir selber. Aus diesem Grund muss ich sehr fest auf mich acht geben, dass mich das Traurige nicht auffrisst, dass ich nicht in Melancholie falle. Ich habe für mich die richtige Dosis gefunden, indem ich 2 Einsätze pro Jahr schaffen kann. Neben all dem Schweren und Traurigen hat es aber auch was wunderschönes. Ich darf Bilder schenken von einer so kraftzerrenden Zeit und sehr oft sind es am Schluss die einzigen Bilder, die die Eltern von ihrem Kind haben werden. Das berührt mich sehr....

 

 

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