2. Dezember 2025 I Aktualisiert im Mai 2026
Dieser Beitrag entstand ursprünglich unter Sandra Negri Fotografie. Er zeigt auf, dass Sichtbarkeit nicht beim Bild aufhört, sondern sich in Ihren Worten festsetzt. Heute ist diese ganzheitliche Begleitung ein Kernstück meiner Arbeit bei Sinntuitiv.
„Ein Motivationsschreiben benötigen wir nicht“ – dieser Satz steht heute in immer mehr Stelleninseraten. Auf den ersten Blick bequem, doch aus Sicht der Bewerbungsberatung ein bedauerlicher Trend. Warum? Weil sich eine Bewerbung dadurch fast ausschliesslich auf Fakten und messbare Leistungen reduziert. Was verloren geht, ist Ihr „Warum“.
Viele Dossiers wirken austauschbar: ähnliche Stationen, ähnliche Diplome. Ein authentisches Schreiben hingegen macht neugierig. Es schafft Vertrauen und gibt Einblick in Ihre innere Motivation – etwas, das kein tabellarischer Lebenslauf leisten kann. Mein Credo im Coaching lautet daher: Wenn Sie etwas zu sagen haben, sagen Sie es. Auch wenn es nicht verlangt wird.
Oft wirken Bewerbungsbriefe wie eine sterile Aneinanderreihung von Schlagworten. In meiner Beratung sehe ich oft Texte, die zwar fachlich korrekt aber emotional "blass" sind.
Ein Beispiel aus der Praxis (MPA in der Pädiatrie):
Eine Bewerberin listet ihre 25 Erfahrung und technischen Fähigkeiten auf. Doch für eine Kinderarztpraxis fehlt das Entscheidende: Warum liebt sie die Arbeit mit Kindern? Was macht ihren Umgang besonders? Ohne Beispiele bleiben Stärken wie "Ausdauer" oder "Empathie" leere Behauptungen.
Bewerbung als Medizinische Praxisassistentin
Sehr geehrter Herr Dr. XXX
Sollten Sie kurzfristig oder in naher Zukunft einen motivierten und zuverlässigen Mitarbeiter als medizinische Praxisassistentin suchen, bewerbe ich mich gerne zum heutigen Zeitpunkt auf die Stelle.
Gegenwärtig arbeite ich bei Dr. med X. Mustermann als MPS (Arbeitspensum 80%) in ungekündigter Anstellung und suche eine neue Herausforderung im pädiatrischen Umfeld, Arbeitspensum für 100%.
Ich bin Mutter von zwei Kindern, Mädchen 12 Jahre und Junge 10 Jahre. Zu meinen Fähigkeiten und Stärken gehören sehr gute deutsch- und englisch Kenntnisse, über 25 Jahre Berufserfahrung, Eiseninfusionen setzen, Wundpflege, Röntgen, mithilfe bei der Aufbereitung und Wartung der Instrumente, wie Ausdauer, Durchsetzungsvermögen und den korrekten Umgang mit Patienten. Die Arbeit im Team und Mitarbeit schätze ich sehr.
Auch wenn Sie aktuell keine Arbeitsstelle als MPA in Ihrer Praxis zu besetzen haben, freue ich mich, wenn meine Spontanbewerbung zu einem späteren Zeitpunkt Berücksichtigung findet. Für weitere Informationen stehe ich Ihnen telefonisch oder schriftlich gerne zur Verfügung und sende Ihnen beiliegend meinen Lebenslauf , Arbeitszeugnissen und Zertifikate.
Oft ist den Bewerbenden ihr eigenes Fach-Know-how und ihre Leidenschaft für den Beruf gar nicht (mehr) bewusst. Sie sehen nur ihr Alter oder vermeintliche Lücken. Im gemeinsamen Austausch graben wir tiefer:
Aus einer generischen Auflistung von Fakten wurde im Coaching ein Brief, der eine Geschichte erzählt. Statt nur zu sagen "ich bin motiviert", zeigt die Bewerberin nun ihren Bezug zur Praxis und ihre Vision einer einfühlsamen Betreuung. Das ist der Moment, in dem aus einer Bewerbung eine echte Begegnung wird.
Entstanden ist dieses Motivationsschreiben:
Entstanden ist dieser Bewerbungsbrief:
Bewerbung als Medizinische Praxisassistentin – Spontanbewerbung
Sehr geehrter Herr Dr. XXX
Seit vielen Jahren höre ich in meinem Umfeld – besonders von Eltern aus meinem Netzwerk – immer wieder sehr positive Rückmeldungen über Ihre pädiatrische Praxis. Die einfühlsame Betreuung, der ruhige Umgang mit den Kindern und die hohe fachliche Kompetenz Ihres Teams werden oft hervorgehoben. Die positiven Rückmeldungen aus meinem Umfeld machen deutlich, wie wertvoll Ihre Arbeit ist – das möchte ich aktiv unterstützen, mich beruflich weiterentwickeln und meine Erfahrung künftig im pädiatrischen Umfeld einbringen, das für seinen menschlichen Umgang und seine hohe Qualität bekannt ist.
Ich arbeite seit über 25 Jahren als medizinische Praxisassistentin in Hausarztpraxen und schätze die Nähe zu den Patientinnen und Patienten sehr. Mit Mitte 40 möchte ich einen neuen beruflichen Schwerpunkt setzen und mein Fachwissen in der Pädiatrie vertiefen. Dieser Fachbereich interessiert mich deshalb besonders, weil sie medizinische Kompetenz mit Empathie, Ruhe und Geduld verbindet – Eigenschaften, die meinen Arbeitsstil seit jeher prägen. Als Mutter zweier Kinder weiss ich, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Kind krank ist. Diese Perspektive hat mich gelehrt, feinfühlig zu kommunizieren, gut zuzuhören und sowohl das Kind wie auch die Eltern ernst zu nehmen. Nichts bringt mich so schnell aus der Ruhe – weder ein ängstliches Kind noch ein hektischer Moment. Ich erkläre medizinische Handgriffe einfach und verständlich, nehme mir Zeit, dränge nicht und arbeite gerne mit kleinen humorvollen Ablenkungen, wenn ein unangenehmer Picks bevorsteht. Es ist mir ein grosses Anliegen, Vertrauen aufzubauen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Kinder sicher fühlen.
Mir ist bewusst, dass der Praxisalltag nur dann reibungslos und angenehm für die kleinen Patientinnen und Patienten verläuft, wenn das Team gut zusammenarbeitet, sich gegenseitig unterstützt und ergänzt. Ich schätze den fachlichen wie persönlichen Austausch im Team sehr und setze mich aktiv dafür ein, dass Zusammenarbeit gelebt wird. In meiner aktuellen Anstellung habe ich vor 2 Jahren begonnen, alle drei Monate einen Teamabend zu organisieren. Mittlerweile hat sich diese Tradition so etabliert, dass die Organisation im Wechsel von allen Teammitgliedern übernommen wird. Der letzte Abend führte uns zum Kerzenziehen mit anschließendem Punsch trinken auf dem Adventsmarkt – eine Gelegenheit, einander auch abseits des Praxisalltags näher kennenzulernen und den Zusammenhalt zu stärken.
Besonders am Herzen liegt mir im medizinischen Alltag das Röntgen – eine Tätigkeit, die ich nicht nur gerne ausübe, sondern zu der ich mich kontinuierlich fachlich weiterbilde. Ich lese regelmässig Fachartikel über Strahlenschutz, Bildgebungstechniken und den sicheren Umgang mit Patientinnen und Patienten, um mein Wissen stets auf dem neuesten Stand zu halten. Das Röntgen von Kindern stellt für mich eine spannende neue Herausforderung dar, da die kleinen Patientinnen und Patienten oft unruhiger sind als Erwachsene. Hier ist eine ruhige Hand entscheidend für ein gutes Bild. In meiner bisherigen Erfahrung habe ich sehr gute Erfolge damit erzielt, Kindern eine Plüschfigur mitzugeben, die sie in den oft dunklen Röntgenraum begleitet und ihnen Sicherheit vermittelt. So gelingt es, die Untersuchung ruhig und entspannt durchzuführen und gleichzeitig Vertrauen aufzubauen.
Auch wenn aktuell keine Stelle zu besetzen ist, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie meine Spontanbewerbung zu einem späteren Zeitpunkt berücksichtigen. Für ein persönliches Gespräch stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung und sende Ihnen im Anhang meinen Lebenslauf sowie alle relevanten Zeugnisse und Zertifikate.
Freundliche Grüsse
XXX
Ein professionelles Bewerbungsfoto öffnet die Tür, das Motivationsschreiben lädt zum Bleiben ein. Beiden zusammen bildet Ihre berufliche Identität. Wenn Ihre Unterlagen Ihre Werte und Ihr Können widerspiegeln, punkten Sie mit Persönlichkeit statt mit Standardfloskeln.
In meiner Identitätsarbeit geht es um das Gesamtbild. Wir klären nicht nur Ihre Wirkung vor der Kamera, sondern auf Wunsch auch die Botschaft Ihrer Unterlagen.
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